Dienstags-Gedanken: Quit playing games?

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"Die Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler."

Am Wochenende hat mein Freund sich das neue iPad gekauft. Das technische Wunderwerk hat uns ziemlich beschäftigt gehalten, vor allem wegen der zahlreichen kleinen Spiele, die man bequem und teils gratis im App Store herunterladen kann. Ich bin nun geradezu besessen von einem Spiel, bei dem ich als Eichhörnchen einen Baum heraufjagen, Nüsse sammeln und Zweigen aus dem Weg huschen muss.

Ich sehe schon das Grinsen auf den Gesichtern einiger Leser. In manchen Kreisen macht man sich nicht gerade beliebt, wenn man öffentlich darüber spricht, dass man in seiner Freizeit gerne spielt. Und schon gar nicht am Computer oder der Konsole. Gamer, so meint man, leben in einer Traumwelt, befassen sich in ihrer Freizeit mit nutzlosen Dingen und haben offensichtlich keine Freunde, denn sonst würden sie ja lieber im Café sitzen und schwätzen. Einem Mann mag man das ja noch verzeihen, schließlich gibt es ja das vielzitierte Kind im Mann, aber einer Frau?

Sorry an alle, die dachten, ich wäre eine "seriöse" Autorin, aber ich muss mich nun leider outen: Ich spiele gern. :-) PC, Playstation, Wii, Gesellschaftsspiele, Rollenspiele und wenn gar nichts anderes geht, dann auch auf dem Handy. Und ich setze noch eins drauf: Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, wenn jemand gar nicht spielt.

Nutzlos und freu(n)dlos?

Gehen wir es doch mal Punkt für Punkt durch. Gamer haben also keine Freunde? Gut, blenden wir die angeblich nur virtuellen Facebook-Freunde und die noch virtuelleren Online-Gegner mal aus. Geschenkt. Es gibt dennoch unglaublich viele Möglichkeiten, aus einem Spiel ein soziales Ereignis zu machen. Zum Beispiel, in dem man sich zu Brettspiel-Abenden trifft oder auf einer Party Singstar spielt. Indem man sich real im Café mit Freunden über Spiele unterhält. Oder indem man zu zweit "Wer wird Millionär" schaut, denn was ist ein Quiz anderes als ein Spiel und raten wir nicht alle heimlich mit?

Also zu Punkt 2: Spielen ist nutzlos. Zunächst mal die Frage: Wäre das denn schlimm? Wer so argumentiert, behauptet schon mal, dass er sich in seiner Freizeit bemüßigt fühlt, ausschließlich Dinge zu tun, die einen gewissen Nutzen haben, etwa für die Gesundheit und Fitness, das soziale Leben oder die Wohnungsverschönerung (Malen oder Basteln). Aber soll Frei-Zeit nicht eigentlich heißen, dass man frei hat, versucht, den Kopf vom Alltag frei zu kriegen und frei ist zu tun, wonach einem gerade ist? Und diese Zeit verbringt man dann möglichst sinnvoll mit weiteren Terminen und Dingen, die einen Mehrwert haben?

Davon abgesehen halte ich Spielen keineswegs für nutzlos. Meine Wii ermöglicht mir, ein personalisiertes Sportprogramm zu absolvieren, ohne dafür die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio bezahlen zu müssen. Meine Playstation gestattet mir, mit Freunden zu singen, ohne dafür in einen Chor eintreten zu müssen, dessen Übungszeiten ich im Alltagsstress nicht einhalten könnte. Und mein Lieblings-PC-Spiel Die Sims entpuppte sich in der Vergangenheit gar als Ideengeber für mein erstes Buch. Beim Spielen trainiert man Allgemeinwissen (Quiz), Fingerfertigkeit (Jump'n'Run), Kreativität (Adventure), Sprachgefühl (Scrabble), strategisches Denken (Die Siedler), logisches Denken (Schach) und jede erdenkliche andere Fähigkeit.

Eine unendliche Spiel-Geschichte

Vergangene Woche habe ich von der Unendlichen Geschichte erzählt, in der Bastian in die Welt der Fantasie eintauchen muss, um herauszufinden, was er wirklich will. Er kehrt danach gestärkt in den Alltag zurück. Es scheint also gar nicht so falsch, zeitweise in einer Traumwelt zu leben, solange wir nur in den entscheidenden Momenten wieder daraus erwachen.

Ich persönliche liebe es, von Zeit zu Zeit abzutauchen und mit meinen Gedanken ausschließlich beim Spiel zu sein. Andere praktizieren Yoga, um nicht mehr an die alltäglichen Sorgen zu denken (halte ich übrigens für großartig und funktioniert auch mithilfe der Wii). Ich kann wirklich abschalten, sobald ich spiele.

Wenn ich gerade mitten im Stress bin und eine Auszeit brauche, kann ich oft nicht die Konzentration aufbringen, um zu lesen. Meine Gedanken schweifen ab und ich lese jeden Absatz mehrfach, bis ich das Buch zur Seite lege und doch weiterarbeite. Wenn ich dagegen Fernsehen oder DVD schaue, lasse ich mich einfach berieseln, kann aber nicht eingreifen. Spielen ist irgendwo dazwischen. Ich werde berieselt und sofort in eine andere Welt gesogen. Aber ich werde herausgefordert, ich muss interagieren und mitdenken, sonst verliere ich. Und wer tut das schon gern?

Also, liebe Gaming-Kritiker: Wenn Ihr das nächste Mal ein wenig Abstand vom Alltag braucht und zufällig Euer iPad dabei habt, das Ihr natürlich nur wegen der tollen Zeitschriften-Apps gekauft habt - gönnt Euch mal eine kurze Pause. Wer 20 Minuten lang nur dafür existiert hat, Nüsse zu sammeln und keine Äste auf den Schädel zu bekommen, kann sich danach mit Elan wieder in sein tägliches Multitasking stürzen.