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2. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 02. Dezember 2016 um 02:16 Uhr Geschrieben von: Yvonne Freitag, den 02. Dezember 2016 um 01:27 Uhr

Stress ist eine komplizierte Sache. Wir haben alle das Gefühl, dass wir ihn uns nicht selbst machen, sondern dass er ein Problem unserer Zeit ist, dass heute so viele Verpflichtungen an uns herangetragen werden, dass wir die To-do-Liste nie abarbeiten können. Wir versuchen, so viel wie möglich zu erledigen, allem und jedem gerecht zu werden und das setzt uns unter so großen Druck, dass wir irgendwann entweder zusammenbrechen oder einsehen, dass wir uns nicht jeden Schuh anziehen dürfen.

Dennoch gibt es einen objektiven Stress, ein tatsächliches "Ich habe jetzt mehr zu tun als früher". Vor 2 Jahren hat sich meine Kundenstruktur stark verändert. Ich war es bis dahin gewohnt, nahezu jeden Tag bei mir zu Hause zu arbeiten und Kunden Texte, Korrekturen und Social-Media-Strategien vom heimischen Bürostuhl aus zu schicken. Ganz selten gab es Meetings, ein wenig häufiger Telefonate. Ich konnte meine Zeit sehr gut einteilen, nachts arbeiten, wenn mir danach war und aufstehen, wann ich wollte. Sicher war es manchmal etwas eintönig, keine Kollegen und wenig Gespräche mit Kunden zu haben, aber das machte ich durch Hobbys wie Tanzen oder Stammtischrunden wett, bei denen ich viele soziale Kontakte pflegte.

Nun ist alles anders. Ein Teil meiner Arbeit wird immer noch am Schreibtisch erledigt, aber meist zwischen Tür und Angel oder freitags, wenn ich noch immer zu Hause arbeite. An den anderen Tagen bin ich entweder vor Ort bei Kunden oder in der Uni. Nicht immer von morgens früh bis abends, aber doch so, dass ich erst mit den Angestellten heimkomme. Da ich die Vorteile der Selbstständigkeit nun nicht mehr genieße, möchte ich auch gerne auf die Nachteile verzichten und suche aktuell einen Teilzeitjob.

Vorher habe ich aber ein Problem zu lösen, das ich aus meiner Angestelltenzeit noch kenne: Wie entspannt man nach der Arbeit oder Uni, wie schaltet man möglichst schnell und effizient ab und kommt so zur Ruhe, dass man den Abend genießen kann? Bei mir sieht es im Semester meist so aus, dass ich nach dem Ankommen zu Hause hektisch 2 Stunden lang irgendwelche Dinge "nur noch eben schnell" erledige und anschließend nach dem Essen völlig erschöpft auf der Couch einschlafe. Um dort mit steifem Hals gegen 6 Uhr morgens zu erwachen - so richtig gut schläft es sich eben nur im Bett.

Die Gedanken wegschaukeln

In den letzten Tagen habe ich mir angewöhnt, wenn ich nach Hause komme nicht erst die Taschen auszupacken, mich umzuziehen und die 1000 kleinen Dinge zu erledigen. Ich ziehe stattdessen nur Stiefel und Jacke aus, füttere die Fische und setze mich in den Schaukelstuhl vor dem Aquarium. Letztes Wochenende habe ich das Becken neu bestückt, nachdem ich in letzter Zeit kaum noch einen Blick hinein geworfen habe, wenn es nicht gerade gereinigt oder gewartet werden musste. Die Fische habe ich meist vom Futterautomaten versorgen lassen. So bringt man sich um jede Beziehung zu seinen Haustieren und das tut nicht gut.

Nun sitze ich also täglich erst 'mal dort, schaukle vor mich hin und beobachte die fleißigen Schwimmer. Nach einer Weile merke ich, dass mein Kopf frei geworden ist und lese ein Kapitel in einem weihnachtlichen Buch. Das ist aktuell der Sammelband zum Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren. Ich habe die Filme dazu schon so oft gesehen, dass automatisch Bilder von einem entlegenen Hof irgendwo in Schweden vor meinem inneren Auge auftauchen, auf dem man sich um zerbrochene Suppenschüsseln, Michels Streiche und Reibekuchen zum Abendbrot sorgt - und auf dem es irgendwie immer schneit. Gestern habe ich dabei Appetit auf Suppe bekommen und mir eine Käse-Hackfleisch-Lauch-Suppe in meiner Suppenmaschine zubereitet.

Wenn man aus der Stressmühle 'raus will, muss man sie bewusst durchbrechen und aufhören, die Gedanken ständig um dieselben oder immer neue Probleme kreisen zu lassen. Gerade weihnachtlich-besinnliche Stimmung kann nur aufkommen, wenn man fähig ist, sie zu empfinden. Wer sich immer nur sorgt, empfindet aber gar nichts außer Schmerz und Druck. Und dann kommt wieder das, was ich vor einigen Tagen auf Facebook beschrieben habe, als ich beschloss, einen Adventkalender zu machen: Man steht an Heiligabend da, starrt den Baum an und sieht nur, dass er nadelt. Man riecht nicht seinen betörenden Duft, ist nicht wie schon als Kind geblendet vom Glanz der Kerzen und dem Schimmer der hübsch eingepackten Geschenke, man freut sich nicht über bunte Teller und über bewegte liebe Gesichter um einen herum. Und das wäre doch sehr schade! ... Habt einen tollen 2. Dezember!
 

1. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. November 2016 um 21:57 Uhr Geschrieben von: Yvonne Mittwoch, den 30. November 2016 um 20:44 Uhr

Jetzt ist es endlich so weit: In wenigen Stunden dürfen wir das erste Türchen aufmachen. Ich habe mir gedacht, ich greife schon mal vor und veröffentliche den ersten Dezember meines Adventkalenders bereits jetzt.

Dass ich einen Adventkalender machen werde, habe ich ja bereits vor einigen Tagen auf Facebook gepostet. Aber um was es dabei gehen soll, habe ich bisher verschwiegen. Das lag vor allem daran, dass ich es selbst nicht wusste. Sollte ich die zweite Fortsetzung von "Der Männer-Backomat" schreiben? Oder sollte ich vielleicht den Anfang meines Romans, den ich im Sommer begonnen habe, auf Winter umschreiben und dann vervollständigen? Oder lauter Textauszüge veröffentlichen, kleine Gedichte schreiben und täglich mit etwas Neuem überraschen?

Der Sommerroman schied als Erstes aus. Ich habe ihn nämlich nochmals gelesen und befunden, dass er mir so gefällt, wie er ist. Er muss im Sommer zu Ende geschrieben werden, anders geht es nicht. Die Textauszüge kennen ja meine eifrigen Leser schon und die anderen, die sie bisher nicht kennen, interessieren sich vermutlich nicht dafür. Und ein ganz neues Buch schreiben - das klang doch sehr nach Stress. Überhaupt ist die Vorweihnachtszeit doch etwas, wo man genug zu tun hat und nicht jeden Tag nach einem weiteren Zeitfenster suchen möchte. Ich war also so weit wie vorher, bis mir unerwartet ein Kunde zuhilfe kam.

Ein Entspannungs-Adventkalender

Vergangene Woche erhielt ich kurzfristig einen eiligen Auftrag. Ein Kunde wollte seinen Geschäftspartnern eine Freude machen und hat ein kleines weihnachtliches Back-Buch mit eigenen Rezepten herausgegeben. Im Vorwort ging es darum, wie sehr man sich vor Weihnachten mit dem Jahresabschluss und den Weihnachtseinkäufen stresst und wie wichtig besinnliche Stunden zu Hause seien. Richtig, dachte ich. Die Adventszeit ist zum Innehalten da, zum stillen Rückblick auf das vorherige Jahr. Tagsüber mag man keine Wahl haben, aber die langen Abende - die gehören einem selbst.

Also, dachte ich, sollte man aus diesen Abenden auch etwas machen. Möglichst etwas Weihnachtliches. Vielleicht gar nicht so viel planen, sondern auf sich zukommen lassen, worauf man gerade Lust hat und genau das tun. Das habe ich mir für diesen Advent vorgenommen und über mein Experiment und ggf. auch die gescheiterten Versuche, ein wenig mehr Ruhe in meinen Advent zu bringen, werde ich hier täglich berichten.

Was bisher geschah

Im Text verteilt seht Ihr einige Bilder vom weihnachtlichen Frankfurt (und meinem schon weihnachtlich geschmückten Zimmer). In den ersten Adventtagen war ich im Hinblick auf entspannende Weihnachtsmomente schon sehr fleißig. Den ersten Schnee habe ich bereits auf der Urlaubs-Rückreise in der Schweiz gesehen. Ich liebe es, wenn er signifikante Mengen annimmt und unter den Schuhen knirscht. Passend dazu haben mein Freund und ich schon am Wochenende vor dem Advent "Der Polarexpress" geguckt. Hach, man beginnt richtig zu frieren, wenn man ihn schaut. Letzten Freitag haben dann meine Mitbewohnerin und ich mit dem ersten Glühwein gestartet - Apfel-Zimt-Glühwein vom Rewe zum großen Gilmore-Girls-Eventtag.

Am ersten Adventwochenende haben mein Freund und ich gleich vier Weihnachtsmärkte besucht: Den großen in der Frankfurter Innenstadt, den kleinen im Thurn-und-Taxis-Palais, den Schwedischen Weihnachtsmarkt in Preungesheim und den Stadtteil-Markt in Bergen-Enkheim. Dort gab es vor allem erhebende kulinarische Erlebnisse, in Form eines Nikolaus-Kakaos (mit Baileys, sehr zu empfehlen) zu einem Raclette-Käsebrot, eines weißen Winzer-Glühweins und eines Glöggs sowie einer Erbsensuppe mit schwedischem Flaggpunsch. Dann gab es noch einen "Wilden Weihnachtsmann", das ist ein heißer Apfelwein mit Calvados - leider nicht ganz mein Geschmack. Dafür habe ich zu Hause ein kalorienreduziertes Glühwein-Rezept ausprobiert: halb Gewürztee, halb Rotwein, mit viel Zimt und Süßstoff statt Zucker.

Natürlich durften auch einstimmende Filme nicht fehlen. Ich empfehle dazu neben dem Polarexpress "The Holiday" ("Liebe braucht keine Ferien"), "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und "Mickeys Weihnachtsfest" mit einer liebevollen Disney-Version meiner liebsten Weihnachtsgeschichte "Die Gabe der Weisen". Besonders wenn man den letzten gesehen hat, ist man überzeugt, dass in Kürze zur Bescherung gerufen wird und die freien Tage bereits da sind.

Also Ihr Lieben: Auf in eine wirklich 'mal entspannte, besinnliche, freudvolle Adventszeit. Und wir hängen in Gedanken ein Schild an der Wohnungstür auf: "Stress muss leider draußen bleiben!".
   

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